"Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel".
So heißt es in der Bergpredigt. Und dann diese Überschrift über einem Kirchengesetzestext.
Ich habe ja viel Fantasie, aber hätte ich mir ein satirisch überspitzte Formulierung zur innerkirchlichen Verwaltung einfallen lassen müssen - auf ein solches Sprachungetüm wäre ich im Leben nicht gekommen.
Ob unsere Kirche vom Heiligen Geist geleitet ist oder von Verwaltungsvorschriften? Gilt die Bibel oder der Gesetzestext?
Musikalisch begleitet wird der Gottesdienst von 12-Ton-Musik, die in ihrer Konzeptionalität sich an selbstgegebene Regeln hält und sich nicht nach Hörbarkeit ausrichtet.
Liebe Gemeinde,
Was ist das erste, was Gott tut?
Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
2 Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.
Die Überschrift, ein einziger Satz der Zustandsbeschreibung, nämlich dass die Erde wüst und leer ist. Und dann:
Dann schafft Gott Ordnung. 6 Tage lang ganz strukturiert. Als erstes schafft er die Zeit, und dann Schritt für Schritt und Tag für Tag immer mehr Kategorien in der sich das Sein dann abspielen wird. Immer feiner werden die Schubladen die er beschriftet. Oben und unten, Fest und flüssig, Pflanzen, Tiere am Schluss der Mensch.
Gott bringt Ordnung ins Chaos, wie ein guter Verwaltungsbeamter.
Zweimal wird in der Bibel berichtet wie die Welt erschaffen wurde. Beim zweiten Schöpfungsbericht überlässt Gott dem Menschen die Verwaltung: 1. Buch Mose zweite Kapitel:
Und Gott der HERR machte aus Erde alle die Tiere auf dem Felde und alle die Vögel unter dem Himmel und brachte sie zu dem Menschen, daß er sähe, wie er sie nennte; denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen.
Allem ein Etikett geben, die Schöpfung katalogisierbar und damit beherrschbar machen.
Eigentlich ist es ein Verwaltungsakt, der da beschrieben wird.
Wenn ich biblisch daraufschaue, dann ist Verwaltung, das was wir Menschen brauchen, um nicht wieder im Chaos zu versinken und der Welt begegnen zu können.
Verwaltung ist wichtig. Verwaltung ist ein Gedanke, den Gott uns am Anfang vorgelebt hat und Verwaltung ist etwas, das Gott uns als Aufgabe gestellt hat.
Stellen sie sich das einmal vor: Eine Welt ohne eine Verwaltung, ohne eine Instanz, die auf irgendeine Weise die Ordnung aufrecht erhält.
Stellen sie sich den Straßenverkehr vor, ohne das jemand dafür sorgt, dass sich alle an bestimmte Prinzipien halten wie Rechts vor links oder bei Rot halten.
Ich bin mir ziemlich sicher, ohne eine Verwaltung hätte ich regelrecht Angst im Straßenverkehr.
Wir Menschen brauchen Ordnung. Und wir brauchen eine Instanz, die diese Ordnung aufrecht erhält.
§ 1 der bundesdeutschen Straßenverkehrsordnung:
(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.
(2) Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.
Super Regel.
Doch dann kommen in der Straßenverkehrsordnung allein im ersten Teil der allgemeinen Verkehrsregeln noch 34 weitere Paragraphen. Und es wird immer genauer mit den Regeln. Immer mehr Sonderfälle werden aufgeführt.
Je komplizierter unsere Welt wird, desto mehr Regeln werden eingeführt. Und diese Regeln warden immer genauer. Spätestens wenn es mit den bisherigen Regelungen nicht ganz rund läuft, werden weitere, noch genauere Regeln eingeführt. Wie ist es denn wenn mein Fahrzeug mehr als drei Achsen hat, wenn es außergewöhnlich schwer und breit ist. Wenn ein ausländischer Diplomat das Fahrzeug steuert.. …
Und so nebenbei, es ist in Deutschland nach § 27 der Straßenverkehrsordnung verboten mit einer Gruppe im Gleichschritt über eine Brücke zu gehen.
Haben sie schon mal gebaut? Wie lange hat der Bauantrag gedauert?
Unser Nachbar hat gebaut. Nur sollte das man nicht so einfach sein. Denn auf dem Papier habe ich das Recht, knapp 200 Schweine auf meinem Grundstück zu halten, auch wenn wir zur Zeit nur zwei haben. Aber weil wir 200 Schweine halten dürften, dürfen nur eine bestimmte Anzahl von Quadratmetern in der Umgebung bebaut werden.
Weil wir das Bauen unserem Nachbarn ermöglichen wollten waren wir bereit auf einen Teil der potentiellen Schweinenutzung zu verzichten. Das ist ein Verwaltungsakt.
Am Schluss wurde uns gesagt, dass unser Stall, der seit fast 100 Jahren Tiere beherbergt nicht mehr als Stall genutzt werden dürfte. Aber 200 Schweine hätten wir trotzdem halten dürfen und der Nachbar nicht bauen.
Wir haben eine nette Bürgermeisterin und die hat irgendwie einen anderen Weg gefunden, dem Nachbarn das Bauen zu ermöglichen und so durften wir unseren Stall als Stall behalten. Verstanden habe ich es nicht so ganz, aber die Verwaltung war zufrieden und unser Nachbar auch.
Als in den 90er Jahren ein neues Bundesstrahlenschutzvorsorgegestz beschlossen wurde, bestimmte dieses Gesetz, das im Fall einer Katastrophe bundeseinheitlich die Strahlengrenzwerte hochgesetzt würden.
Und so würde selbst ein atomarer SuperGAU im Rahmen der Gesetze ablaufen. Wenigstens die Verwaltung wäre befriedigt.
Auch für sämtliche Eventualitäten im Berufsleben hält die Verwaltung Grundsätze parat. In Nordrhein-Westfalen gilt: Stirbt ein Beamter auf einer Dienstreise, dann gilt die Dienstreise als beendet.
Das Bundesfinanzministerium hat dafür geregelt, dass der Tod keinesfalls als "dauernde Berufsunfähigkeit" zählt.
Vor einiger Zeit bin ich gefragt worden, ob ich jemandem helfen könnte einen Hartz4 Antrag auszufüllen. Ich hab zugesagt. Mit zwei bestandenen Examen sollte ich dazu intellektuell doch in der Lage sein.
Nein, war ich nicht. Ich habe drei tote Sprachen gelernt, aber dieser Antrag hat meine Grammatikkenntnisse überfordert. Ich habe bei manchen Zeilen nicht einmal verstanden, was dieses Formular eigentlich wissen will. Und wo ich diese Angaben finden könnte, erst recht nicht.
Am letzten Wochenende hatten wir einen Treckergottesdienst in Eystrup. Ich freue mich schon darauf im Kirchenamt nachzufragen, wie ich denn die Fahrtkosten mit einem Trecker und angehängten 7,5 Tonnen-Gummiwagen dafür abrechnen soll… Ob das bei uns wohl schon allgemein geregelt ist?
Ach, ich könnte jetzt noch eine ganze Zeit weitermachen mit Verwaltungsvorschriften die absurd sind. Aber wenn ich ihnen alle Absurditäten, die ich bei meiner Recherche gefunden habe, aufzählen würde, dann säßen wir noch morgen hier.
Oder vielleicht das noch, weil das ja im Rahmen des Möglichen und Wahrscheinlichen ist: Falls sie heute auf dem Nachhauseweg eine Atombombe zünden wollen – das ist in Deutschland verboten. Weil ein solcher Fall ja so häufig vorkommt, gibt es auch dafür eine Regelung.
Wir Menschen brauchen Ordnung. Das ist unser Schutz gegen das Chaos. Und weil das eine so tiefe Urangst in uns Menschen ist, beginnt diese Ordnung vom 3. Satz der Bibel an. Wir dürfen gewiss sein, dass Gott uns mit dieser Ordnung vom Chaos befreit hat und vor einem erneuten Hereinbrechen der Chaosmächte schützt.
Und dann ist es irgendwie aus dem Ruder gelaufen, nachdem Gott uns Menschen im 2. Kapitel der Bibel die weiteren Ausformulierungen der Ordnung übergeben hat.
Von dem Moment an, als die Sippe Abrahams zu einem großen Volk angewachsen ist und nach der Flucht aus Ägypten selbst für ihre Regelungen verantwortlich war, wuchsen die Vorschriften die das Zusammenleben ordnen sollen.
Den altestamentlichen Vorschriften nach dürfte niemand von uns Kleidung tragen, die aus verschiedenen Stoffen besteht (3. Mose 19,19), Nur wenige Verse später wird geregelt, dass ich einen Bart nicht rasieren darf (3Mo 19,27). Selbst der Stuhlgang ist in der Bibel geregelt und es dürfen innerhalb des Lagers keine Toiletten gebaut werden. Wenn man es streng auslegt sind auch Klos mit Wasserspülung nicht rechtens.
Über 600 Vorschriften gibt es im Alten Testament, angeblich entstanden auf dem Weg durch die Wüste von Ägypten ins gelobte Land. Für mich eine absurde Vorstellung, dass ein ganzes Volk irgendwie in der Wüste überleben soll und sich gleichzeitig Regelungen gibt für Frisuren- und Kleidungsfragen.
Und dann dreht die Welt sich ja auch noch weiter und irgendwie muss man die Vorschriften ja auch auf neue Gegebenheiten anpassen. Und so hat ein jüdischer Gelehrter vor wenigen Jahren die Vorschriften ausgelegt und jetzt darf jeder strenggläubige Jude Giraffen essen. Denn die gelten nach der Neuauslegung als koscher. Wobei ich keine Ahnung habe wieviele strenggläubige Juden je in eine Situation gekommen sind, Giraffenfleisch in der Kantine serviert zu bekommen.
Ist aber egal, sie dürften es, denn das ist geregelt und eigentlich nicht weniger absurd als § 27 der Straßenverkehrsordnung in dem das Gleichschrittmarschieren auf Brücken geregelt ist.
Ist das ein Teil der menschlichen Natur? Dass wir alles, und sei es ein noch so absurder Sonderfall, geregelt haben müssen?
Wir können neue Regeln einführen, aber das Regelungen wieder abgeschafft warden, ist weitaus seltener. Und so steigt das Dickicht an Vorschriften und Gesetzen in ungeahnte Höhen. Es wird immer detailierter und genauer, immer mehr Sonderfälle werden berücksichtigt. Auf 52 Seiten, aufgeteilt in 8 Kapitel und in 40 Unterpunkte, ist alles geregelt, was Schnullerketten angeht.
Und irgendwann blickt niemand mehr durch. Es ist ein Dschungel.
Als ich das Plakat für heute ins Internet gestellt habe, wies mich jemand darauf hin, dass es ja um ein Gesetz gehen würde, dass Rechte für Arbeitnehmer behandelt. Ob ich nicht lieber, wenn ich mich schon über etwas lustig mache, die Überschrift eines anderen Gesetzes nehmen sollte.
Hat er eigentlich recht mit, aber die Werbung war nun schon online. Aber etwas anderes ist mir dadurch bewusst geworden: Wenn eine Regelung, die eigentlich zu meinem Gunsten ist, so kompliziert formuliert wird, dass ich es kaum verstehen, dann nehme ich mein Recht aus Unverständnis am Ende nicht wahr.
Ich möchte jetzt keine Verschwörungstheorie daraus entwickeln.
Denn für eine Verschwörungstheorie braucht es ja den bösen Willen dahinter. Und den gibt es, glaube ich, nicht. Im Gegenteil, fast alle Verwaltungsangestellte, mit denen ich zu tun hatte waren unglaublich nett und zuvorkommend.
Und ich habe das Gefühl, dass es eine willkommene Herausforderung für sie ist, wenn man mit einem Problem ins Kirchenamt kommt und sie es fast sportlich nehmen, dieses Problem für mich im Sinne der Verwaltung zu lösen. Wirklich nette und zuvorkommende Menschen. Doch an einem Punkt bleibt es mir fremd.
Mehr als einmal war die mir angeratene Lösung nämlich, dass ich ja nur die Wirklichkeit ändern müsse, und dann wäre das mit den Verwaltungsregeln ja gar kein Problem mehr.
Und damit kommen wir zum Kern des Problems. Hat sich im Laufe der Jahrtausende unsere Ordnung verselbstständigt? Muss sich die Wirklichkeit an den Vorschriften orientieren oder die Vorschriften an der Wirklichkeit?
Auch das ist keine neue Frage. Schon vor 2700 Jahren haben biblische Propheten angemahnt, dass es nicht um den Wortlaut einer Regelung gehen sollte, sondern um den Sinn, den eine Regelung für uns Menschen und unser Leben macht.
Verwaltung muss logisch und in sich geschlossen sein. Das ist wohl eine der selbstgesteckten Grundvoraussetzungen. Und genau das macht es so kompliziert. Denn das Leben lässt sich nicht zwischen zwei Aktendeckel pressen. Egal wie genau und präzise Verwaltungsregeln komponiert werden, am Schluss kann nur ein theoretischer Normalzustand geregelt werden.
Sie haben heute 12Ton-Musik zu hören bekommen. Für so einige wird es wohl der allererste Kontakt mit dieser Musikrichtung gewesen sein. Aber es würde mich auch sehr wundern, wenn es, vielleicht von unserem Musiker abgesehen, jemanden unter uns gibt, der davon eine CD zuhause im Schrank hat.
Denn die 12Ton Musik hat die gleiche Voraussetzung wie die Verwaltung: Eine Grundidee, die konsequent mit einer in sich geschlossenen Logik umgesetzt werden soll. Eigentlich recht spannend. Die Idee ist ja, dass kein Ton der Tonleiter benachteiligt wird. Jeder der 12 Töne wird gleichberechtigt oft in der Komposition verwendet. Eine normale Komposition beschränkt sich auf 8 verschiedene Töne.
Als wir das damals in der Schule durchgenommen haben, sprach mein Musiklehrer von einer Gerechtigkeit zwischen den Tönen.
Ich weiß nicht, wie es ihnen ging, aber ich glaube meine Bedürfnis nach dieser Musik ist mit heute erstmal für eine ganze Zeit gestillt. Es hört sich einfach nicht richtig an.
Und ähnlich geht es mir manchmal mit den Verwaltungsauflagen. Ist schon alles richtig, es gibt eine Grundlogik auf der alles weitere aufbauen muss. Doch am Schluss kann es passieren, dass sich das gut und richtig-gemeinte einfach nicht zu meinem Ohren passen will.
Und dann habe ich mir überlegt, wie eine unverwaltete Welt aussehen würde.
Jetzt habe ich soviel von den Auswüchsen von Verwaltung und Bürokratie geredet, also weg damit. Wenigstens als Gedankenexperiment.
Stellen sie sich vor eine Welt ohne Verwaltung. Nein, stellen sie sich etwas anderes vor: Ihre Welt ohne Verwaltung.
Wenn sie ganz alleine in dieser Welt wären, dann ist das eine schöne Vorstellung. Aber es ist wahrscheinlicher, dass sie in ihrer Welt nicht alleine sind. Dass es in dieser ihrer Welt auch den Nachbarn gibt. Und der stellt sich die Welt vielleicht etwas anders vor als sie. Der hat einen anderen Schlafrhytmus und hört deshalb bis zwei Uhr Morgens laut Musik.
Oder er hat Unmengen von Tieren und den Misthaufen so gesetzt, dass ihre Veranda bei Westwind doch etwas sehr nach Pferdemist oder Kuhdung riecht.
Eigentlich sollte all das doch kein Problem sein. Mehr braucht es doch nicht, als den §1 der Straßenverkehrsordnung: (1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.
(2) Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.
Nichts anderes sagt Jesus: 12 Alles nun, was ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten.
Der Philosoph Immanuel Kant nennt den Gedanken den Kategorischer Imperativ:
Handle so, daß die Maxime deines Willens
jederzeit zugleich als Prinzip
einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte.
Jesus, Kant und der erste Paragraph der bundesdeutschen Straßenverkehrsordnung sagen uns, dass es eigentlich keinerlei weiterer Regeln braucht.
Nur: Können sie das? Sind sie in der Lage, jede egoistische Neigung in Ihnen zu unterdrücken? Sind sie so gut, dass sie keine weiteren Regeln brauchen?
Und sind sie sich ganz sicher zu wissen, dass sie mit ihrem Nachbarn übereinstimmen, was “nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt sein” bedeutet?
Vielleicht sind sie so gut. Ich bin es, glaube ich, nicht.
Die Welt ist viel zu kompliziert und die Menschen viel zu verschieden, als dass wir allein mit Jesu goldener Regel und Kants kategorischen Imperativ, ein funktionierendes Zusammenleben hinkriegen würden.
Bevor Gott die Welt erschuf war das Chaos. Und Leben wurde erst möglich, als Gott mit seiner Ordnung das Chaos bändigte.
Und wir Menschen pendeln irgendwo zwischen den beiden Polen lebensfeindliches Chaos und zur Starrheit verdammenenden Ordnung. Weder das eine, noch das andere ist im Extrem lebbar. Und der eine unter uns lebt näher am Chaos und der andere näher an einer allumfassenden starren Ordnung.
Irgendwo dazwischen müssen wir als Gesellschaft unseren Weg finden.
Irgendwo dazwischen. Nur wo genau?
Mit dieser Frage wurde Jesu eine Falle gestellt:
Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist?
Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.
Wenn dieser Satz die Überschrift über jedem Gesetz, über jeder Verwaltungsvorgabe geschrieben stünde, dann würde es wohl weniger Gemecker über überbordende Bürokratie geben. Wenn die allgemeinen Regel im Einzelfall unter dieser Prämisse gesehen würden.
Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.
Jesus spricht noch einen weiteren Satz nach diesem, nämlich:
Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.
So ist der Menschensohn ein Herr auch über den Sabbat
Meinem Heiland traue ich zu, dass er gerecht und weise zu entscheiden vermag, wann man eine Regel einfach mal nicht beachten soll. Ihm schon, aber traue ich das irgendeinem Menschen zu? Da ist ja der Korruption und Willkür Tür und Tor geöffnet.
Doch. Ich traue das auch anderen Menschen zu. Und ich traue das auch Verwaltungsangestellten zu. Und eine Art und Weise, wie ich das bei Verwaltungsmenschen erlebt habe, war der Satz: “Das habe ich jetzt nicht gehört”. Und weil mein Gegenüber das nicht gehört hat, muss er die Regel, die dem klugen Vorgehen in der Situation entgegenstünde, nicht anwenden.
Doch das kostet Mut. Und die Bereitschaft, Verantwortung zu tragen. Und genau davon, würde ich mir mehr wünschen. Menschen, die den Wert und den Sinn der Regeln verstehen und sich trauen, selbst zu entscheiden, in einem Zweifelsfall nach dem gesunden Menschenverstand zu handeln.
Ich traue uns Menschen das zu. Und ja, da können Korruption und Willkür die ein oder andere Blüte treiben, aber im Großen und Ganzen habe ich das Vertrauen in uns Menschen, dass wir Jesus, Immanuel Kant und dem ersten Paragraphen der Straßenverkehrsordnung beherzigen können.
Wir werden dabei Fehler machen. Manchmal werden wir dabei die Regeln zu streng und manchmal zu locker anwenden. Und manchmal werden wir nicht einmal sicher sein können, ob es jetzt zu streng oder zu locker angegangen wurde.
Es braucht Mut, Verantwortungsbereitschaft und ein gutes Herz, damit das gelingt.
Und dann gibt es noch Regeln und Vorschriften die ich doof und nervig finde, deren Einhaltung vielleicht unlogisch erscheint, und die dennoch nicht massiv dem Leben entgegenstehen.
Und auch da hat Jesus einen guten Rat.
Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist.
Antwortet er auf die Frage nach dem Steuernzahlen.
Es gibt wichtigeres, als sich über jede einzelne Vorschrift aufzuregen. Manches kann man auch schlicht und einfach befolgen und sich die Ausnahmen für die wirklich wichtigen Situationen aufbewahren.
Ganz so, wie sie für einen Abend 12-TonMusik hören können, auch wenn es unserem musikalischen Harmoniegefühl entgegensteht. Und zu Hause dürfen wir dann aber auch wieder etwas gefälligere Musik hören.
Und dann bin ich gespannt, welchen Weg wir mit der Verwaltung finden werden, wie ich eine Fahrt mit dem Trecker abrechnen soll.
Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.
PS: Die Abrechnung der Treckerfahrt war dann in der Tat noch sehr amüsant.
Dass Kirchenrecht der Landeskirche Hannovers sieht nämlich keine Fahrt eines Pastoren mit einem Trecker vor.
Am Schluss haben wir analog zu Fahrten einesniedersächsischem Landesbeamten mit einem Pferdeanhänger abgerechnet.
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Kulturgottesdienste
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