35 Jahre nach dem Mauerfall.

Jahrzehntelang haben wir in einem geteilten Land gelebt. Ein Schicksal, das wir Deutschen mit dem Volk Israel teilen. Das Großreich Israel, das unter König David gegründet wurde hielt nur zwei Generationen lang, bis die Enkel von König David in Erbstreitereien das Land in ein Nord- und Südreich aufteilten.

 

Ob diese über 2500 Jahre auseinanderliegenden Schicksale vergleichbar sind?

Predigt

 

Liebe Gemeinde,

 

„Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört. „

 

Am 10. November 1989 sprach Willy Brandt, Bundeskanzler a.D. und ehemaliger regierender Bürgermeister von Berlin diese Worte.

 

„Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört. „

 

 

 

Ich war damals 13 Jahre alt. Und ich erinnere mich noch gut an den 9. und 10. November 1989. Ich hatte ferngesehen. Ein Colt für alle Fälle lief. Und dann plötzlich ein Laufband am unteren Bildschirmrand.

 

Als ich eine halbe Stunde später beim Jugendkreis der Kirchengemeinde davon erzählte, hat mir niemand glauben wollen. Und am Tag darauf war die Innenstadt von Hannover voller Trabanten. Die Banken sind zum Kaufhof gerannt um sich dort Geld zu leihen, damit sie das Begrüßungsgeld auszahlen konnten, dass daraufhin wieder in den Kaufhof getragen wurde.

 

 

 

Ich war 13 und stammte aus einer westdeutschen linken Familie. Wir waren oft in der DDR und im Ostblock. Eigentlich hatten wir uns in die Existenz zweier Deutschen Staaten eingelebt und statt einer Wiedervereinigung war eine Entspannung zwischen Ost und West die erhoffte Veränderung.

 

 

 

Deutschland ist nicht das einzige Land in der Geschichte, das eine Teilung erfuhr.

 

Israel erging es ebenso. Ich möchte sie mitnehmen auf eine Zeitreise.

 

3000 Jahre geht es zurück. Die 12 Stämme des Volkes Israels sind sesshaft geworden in Kanaan. Jeder Stamm regelt seine Angelegenheiten unter sich. Nur in Fällen einer Bedrohung von außen schließen sie sich zusammen für ein gemeinsames, meist militärisches, Vorgehen.

 

Eine rückständige Gesellschaft verglichen mit den Nachbarländern, die schon länger das System eines Königtums eingeführt hatten und die über ein stehendes Heer verfügten. Und die bedrohten die 12 Stämme.

 

Es gab einen radikalen Schnitt. Die 12 Stämme erwählten einen König, der sie führen sollte um gemeinsam der Bedrohung entgegenzutreten. Saul war dieser König. Und Saul ist – auch wenn er in der Bibel sehr negativ gezeichnet wird – Saul ist eine meiner Lieblingsfiguren in der Geschichte Israels.

 

Denn er ist ein Regent gewesen, wie ich ihn mir wünsche. Er hat die anstehende Gefahr gebannt. Und dann hat er nicht seine Macht ausgeweitet. Er hat sich keinen Palast bauen lassen. Er stand für das, was wir heute einen schlanken Staat nennen würden.

 

12 Stämme, die Jahrhunderte lang auch untereinander immer wieder mal in Konflikte kamen, hat er vereint.

 

Ist damals, unter König Saul, also das zusammengewachsen, was zusammen gehörte?

 

Was die 12 Stämme vorher verband, das war der gemeinsame Glaube. Und Symbol dieses Zusammenhaltes war die Bundeslade. Und die wurde in einer Art Rotationsprinzip eine Zeitlang von jeweils einem Stamm geführt. Und die Bundeslade war es, die vorangetragen wurde, wenn sich die 12 Stämme zusammentaten, um einer äußeren Gefahr gemeinsam zu begegnen. Und die Aussage dazu war: Gott ist mit uns in unserem gemeinsamen Kampf.

 

 

 

Die Nachbarvölker hatten sich weiterentwickelt und so standen  die 12 Stämme vor der Wahl: Untergehen oder weiterentwickeln.

 

 

 

Dann also die Wahl Sauls.

 

Dann tauchte David auf. Und David war von einem anderen Schlag als Saul. Ein Machtpolitiker wie er im Buche steht. Er torpediert die Regierung Sauls, wo es geht. Manchmal direkt am Hofe Sauls, aber er war sich auch nicht zu schade, Bündnisse mit Feinden Israels einzugehen und militärisch gegen Saul vorzugehen.

 

Wenn sie das in der Bibel mit einer anderen Brille gelesen haben sollten, denken sie daran, dass diese Geschichten im Auftrag der Familie Davids aufgeschrieben wurde. Und „wes Brot ich ess, des Lied ich pfeif“ galt auch schon für die Schriftgelehrten vor 3 Jahrtausenden.

 

 

 

Letztendlich übernimmt David den Staat, bevor sich die Frage eine Dynastie, eines erbbaren Königstitels sich überhaupt stellte.

 

Und David macht aus dem Gebiet der 12 Stämme ein Großreich. Er unterwirft viele Nachbarvölker und macht sie tributpflichtig.  Größer und mächtiger war Israel nie in seiner Geschichte. Er erobert die jebusitische Staat Jerusalem und macht sie zu seiner Hauptstadt. Dass es ausgerechnet Jerusalem ist hat seinen Grund. Die Stadt liegt genau an der Grenze des Gebietes vom Stamm Juda, dem auch David angehört. Ein Versuch, über Geopolitik die anderen 11 Stämme nicht gegen eine Vormachtstellung seines eigenen Stammes aufzubringen.

 

 

 

Salomo folgt seinem Vater auf den Thron. Er ist von einem anderen Schlag. Statt Soldaten nutzt er lieber Diplomaten, er fördert den internationalen Handel.

 

Ohne eine solch starke und straffe Führung wie unter David beginnt schon in seiner Regierungszeit das davidinische Großreich an den Rändern auszufransen.

 

 

 

Salomo beginnt seine Herrschaft im Jahr 926 vor Christi Geburt. Das ist übrigens das älteste verlässlich Datum, das wir in der Bibel finden können.

 

 

 

Noch zu seiner Amtszeit beginnen unter seinen Söhnen Erbfolgestreitereien.

 

Nach Salomos Tod sollte dann sein Sohn Rehabeam König werden. Wenn es allein nach dem Stamm Juda und Jerusalem gegangen wäre, dann wäre das auch kein Problem gewesen. Doch in den Gebieten der anderen 11 Stämme regte sich Widerstand. Eine Dynastie als eine Selbstverständlichkeit für die Thronfolge wollten die 11 Stämme des Nordens nicht akzeptieren. Ein König sollte vom Volk gewählt sein! Und so wurde ein Landtag in Sichem einberufen. Rehabeam wurde dabei als potentieller Nachfolger gar nicht kategorisch ausgeschlossen. Doch nach den Erfahrungen mit David und Salomo gab es Vorbehalte gegen ihn. Zum Einen schien der Stamm Juda unter David und Salomo bevorzugt zu werden. Da musste also wieder mehr Gerechtigkeit unter den 12 Stämmen wiederhergestellt werden. Und zum anderen wurde von Rehabeam gefordert die unter Salomo immens gestiegene Steuerlast zu senken.

 

Seine Berater reden auf ihn ein, den Forderungen nachzugeben, doch Rehabeam bleibt stur und gibt eine patzige Antwort:

 

Mein Vater hat euer Joch schwer gemacht,

 

ich aber will's euch noch schwerer machen.

 

Mein Vater hat euch mit Peitschen gezüchtigt,

 

ich aber will euch mit Skorpionen züchtigen.

 

 

 

Und die Antwort der 11 Stämme berichtet die Bibel im 1. Königebuch im 12. Kapitel:

 

Als aber ganz Israel sah, daß der König sie nicht hören wollte, gab das Volk dem König Antwort und sprach: Was haben wir für Teil an David oder Erbe am Sohn Isais? Auf zu deinen Hütten, Israel! So sorge nun du für dein Haus, David! - Da ging Israel heim,

 

 

 

An dieser Stelle einen Einschub: Wenn in dieser Zeit von Israel gesprochen wurde, dann war damit das Gebiet der 11 Stämme ohne Juda gemeint.

 

 

 

Und Israel erwählt sich seinen eigenen König. Jerobeam aus dem Stamme Ephraim. Der stand schon unter Salomo in der Opposition und musste für eine Zeitlang nach Ägypten ins Exil. Doch nach Salomos Tod stand der wieder auf der Matte.

 

In Juda und Jerusalem wird Rehabeam König.

 

 

 

Und damit ist das Land geteilt in das Nordreich Israel und das Südreich Juda.

 

 

 

Ein ehemaliges Großreich das nun in zwei Kleinstaaten zerfallen war. Und die annektierten Provinzen nutzen die Gunst der Stunde und spalten sich wieder ab.

 

 

 

Zwei Staaten. Juda ist bedeutend kleiner als Israel und besteht zu einem großen Teil aus Wüste. Doch hier  konnte Rehabeam auf ein existentes Staatsgefüge zurückgreifen. Es gibt eine Hauptstadt, eine Verwaltung und vor allem ist das Zentralheiligtum des Jahweglaubens, der Tempel in Jerusalem, auf dem Gebiet des Staates Juda. Und – es gibt eine nicht angezweifelte Thronfolgeregelung: Ein Nachkomme Davids sitzt auf dem Thron. Bis auf eine ganz kurze Zeit bleibt dies so bis zur Eroberung Jerusalems durch die Babylonier 587 vor Christus.

 

 

 

Der Norden muss sich all das erst schaffen.

 

Sichem, der Ort der Vollversammlungen der 12 Stämme fungiert zunächst als Hauptstadt. Aus kriegstaktischen Gründen verlegt Jerobeam aber die Regierung nach Pnuel. 

 

Für eine überschaubare Zeit geht es nach Thirza. Das liegt auf dem Stammesgebiet von Ephraim, dem Stamm, aus dem der König Jerobeam stammt. Nicht anders ist Konrad Adenauer vorgegangen als er Bonn zum Regierungssitz der BRD machte.

 

Nach Jerobeams Tod versucht sein Sohn Nachfolger zu werden, doch bevor die Stammesversammlung einberufen werden konnte, wird der ermordet. Und so ist die Frage einer Dynastie wieder verschoben. Baesa wird König und auch sein Sohn wird ermordet, bevor der den Thron besteigen kann.

 

Simri besteigt den Thron. Doch ihm wird die religiöse Legetimation verweigert und nach nur 7 Tagen auf dem Thron wird er von Omri gestürzt.

 

Und mit Omri beginnt zum ersten Mal eine Dynastie im Nordreich. 4 Generationen Omriden führen die Geschicke.

 

 

 

Die Omriden erkennen die Bedeutung einer Hauptstadt und auch den Fallstrick, 10 Stämme zu brüskieren, wenn sie die Hauptstadt auf dem Gebiet des 11. legen.

 

Und deshalb gründen sie eine neue Stadt: Samaria.

 

 

 

Nicht nur eine Hauptstadt muss im Norden erst etabliert werden. Auch der Kult braucht einen neuen Ort. Lange war die Religion allein auf Jerusalem ausgerichtet. Dort, auf dem Zion, wohnte Gott darselbst und auch nach der Teilung des Landes in Nord und Süd blieb Jerusalem ein Wallfahrtsort für die Gläubigen aus dem Nordreich.

 

Sehr zum Missfallen der Nordreichherrscher.

 

Bethel und Dan, die alten Kultstätten aus der Zeit vor dem Jerusalemer Tempel werden wieder reaktiviert.

 

Doch es braucht für so etwas ein Symbol. Im Jerusalemer Tempel stand die Bundeslade. Und nachdem sie nicht mehr die Funktion eines Kriegspaladium erfüllte sah man sie als Fußschemel Gottes an, der ja im Tempel wohnte.

 

Im Norden, in Bethel und Dan stellte man jeweils ein goldenes Kalb auf.

 

Doch nicht das Kalb wurde angebetet. Es fungierte lediglich als Podest für Gott. Eigentlich genau die gleiche Funktion die die Bundeslade im Süden hatte.

 

 

 

Und nocheinmal ein Einschub: Alles was wir aus dieser Zeit wissen, ist im Rückblick geschrieben worden von Schreibern aus dem Südreich und bezahlt von den Nachkommen Davids. Die Geschichte vom Goldenen Kalb wird deshalb rückdatiert in die Zeit Moses um zu zeigen, dass ein goldenes Kalb schon seit Urzeiten Blasphemie sei.

 

 

 

Im Süden wurden die Geschichten aufgeschrieben und sind damit immer tendenziös. Und alle Nordreichkönige – so betont diese parteiliche Geschichtsschreibung – unterlägen der Sünde Jerobeams – nämlich Jerusalem als einzig legitimen Kultort zu missachten.

 

Aus der Sicht des Südreiches waren alle Herrscher des Nordens nicht im Sinne des gemeinsamen Gottes.

 

 

 

Anders als in Deutschland gab es keine Mauer zwischen Nord und Südreich. Aber bis auf den gemeinsamen Glauben scheinen die Gemeinsamkeiten gering gewesen zu sein.

 

 

 

Auch die Außenpolitik unterschied sich. Im Norden war aus der ehemaligen Provinz das Aramäerkönigreich von Damaskus entstanden und das war immer wieder eine Gefahr für das Nordreich. Der Süden lag auf einem Gebiet, auf das die Ägypter historischen Anspruch erhoben. Durch Tributzahlungen entgeht das Südreich einem Krieg.

 

 

 

Eine Annäherung der beiden Reiche gab es nur wenig. Und wenn, dann war das eine Reaktion auf äußere Bedrohungen.

 

Die Omriden setzten auf Entspannung und eine kurze Zeit gab es ein gemeinsames Auftreten. Doch Juda war so viel kleiner als das Nordreich, die Wirtschaft im Norden war ungleich stärker. Die Südreichkönige empfanden sich dadurch immer als Junior-Partner.

 

Es gab dann nochmal den Versuch, sich mit der Österreichischen Variante zu arrangieren und über eine Hochzeit zwischen dem Südreichkönig und einer Nordreichprinzessin eine Annäherung herzustellen. Doch nach dem Sturz der Omriden brach das ab.

 

Jehu übernahm den Thron im Norden. Und der hatte seine eigene Idee einer Wiedervereinigung. Er schickte seine Mutter an den Hof in Jerusalem und sie lässt die Nachfahren Davids töten. Sechs Jahre lang herrscht sie in Jerusalem, von 845 bis 839 vor Christus. Doch eine Wiedervereinigung im eigentlichen Sinne wird nicht realisiert.

 

Nur ein kleines Kind hatte die Mordanschläge auf die Nachfahren Davids überlebt und der Oberpriester des Jerusalemer Tempels lässt die falsche Königin töten und setzt den letzten der Davididen wieder auf den Thron.

 

 

 

Ab dem Moment wird es fast nur noch ein Nebeneinander der beiden Staaten geben.

 

Als das Weltreich der Assyrer entsteht, ist das zu Beginn zum Vorteil des Nordreiches, denn die Assyrer erobern das Aramäerkönigreich von Damaskus und räumen damit die Konkurrenz im Norden aus dem Weg.

 

Das Nordreich hat eine wirtschaftliche Blüte. Und zeitgleich wachsen die sozialen Ungleichheiten. Das ist die Zeit in der die Propheten als eine Form der Opposition beginnen ihre Botschaften zu verkünden. Königs- und Kultkritik stehen dabei im Zentrum. Und wenn man genau liest ist auch eine deutliche Kapitalismuskritik in den Worten der Propheten zu vernehmen.

 

 

 

Die Macht der Assyrer wächst und auch der dazugehörige Hunger nach Expansion. Wechselseitige Versuche sowohl im Süd- als auch im Nordreich werden unternommen, sich mit diesem neuen Machtfaktor zu arrangieren.

 

Das Nordreich Israel wird 733 vor Christus unter assyrische Verwaltung gestellt und nach einem misslungenen Versuch sich von der Fremdherrschaft zu befreien, wird es gänzlich erobert.

 

Und wie es damals das Vorgehen war, deportierten die Assyrer die Oberschicht und setzten eine aus einem anderen Land deportierte Oberschicht an ihre Stelle.

 

Anders als 150 Jahre später im babylonischen Exil die Südreichoberschicht, verliert sich die Spur der Nordreichelite in der Geschichte. Sie werden wohl in dem anderen Volk aufgegangen sein.

 

Auch die im Nordreich eingesetzte fremde Oberschicht geht auf in der Bevölkerung des Nordreiches und daraus entstehen die Samaritaner. Bis in die Zeit Jesu bleibt das eine Art fremdes Volk. Zwar ist es auch in diesem neuen Mischvolk der gleiche Gott, der angebetet wird, doch die Traditionen haben sich getrennt und die Samaritaner werden im Südreich und auch noch Jahrhunderte später nicht zu Gottes auserwählten Volk gerechnet.

 

 

 

Zu einer Wiedervereinigung von Nord und Südreich ist es nie gekommen. Das Nordreich ging unter. Und das gleiche Geschick hatte auch das Südreich, als Babylon als neue Weltmacht expandierte.

 

Als Jerusalem 587 vor Christus fällt, gibt es keinen Staat Israel oder Juda mehr. Bis 1948 -  2535 Jahre lang  - ist das Land beherrscht von fremden Mächten. Und von der Vertreibung durch die Römer 70 nach Christus hat das Volk Israel kein eigenes Territorium.

 

Es wäre etwas seltsam, von einer Wiedervereinigung 1948 zu sprechen. Das war eine Neugründung. Und die Gebietsansprüche, die heute von den religiösen Fundamentalisten und der rechtsextremen Regierung erhoben werden, stützen sich auf die Gebiete, die König David erobert hatte und die schon unter seinem Sohn Salomo sich wieder abspalteten.

 

 

 

Eine lange Geschichte, die ich mit ihnen nun im Schweinsgalopp durchgegangen bin. Aber können wir die Geschicke von Nord und Süd vor 2500 Jahren vergleichen mit unserem Ost und West vor 35 Jahren?

 

 

 

 

 

 

 

 

In der Zeit der geteilten Reiche existierten Nord und Süd die allermeiste Zeit nebeneinander her.

 

Als jedoch das Südreich der assyrischen Expansion zum Opfer fiel, flohen auch viele Menschen aus dem Norden in den Süden. Und sie brachten ihre Kultur, ihre Sitten mit. Es scheinen nicht wenige gewesen zu sein und es gab noch das Echo, dass Nord und Süd einst im 12-Stämme-Verbund zusammen waren.

 

 

 

Und dann geschieht das, was vielleicht eine Lehre für uns Deutsche hätte sein können.

 

Als begonnen wurde die religiösen Überlieferungen systematisch schriftlich zu fixieren, da wurden die Nordreichtraditionen nicht ausgespart.

 

Denn der Norden war fortschrittlicher. Auch in der Literatur. Und so kamen viele bereits vorhandene Texte in den Süden.

 

Unter anderem das Hohelied der Liebe. Eine Sammlung erotischer Literatur aus dem Nordreich. 8 Kapitel lang und das Wort Gott kommt nicht ein einziges Mal darin vor. Aber es scheint für die Flüchtlinge aus dem Norden so viel Bedeutung gehabt zu haben, dass es dennoch in die im Südreich entstehende Sammlung der Texte aufgenommen worden ist, die irgendwann zu unserem Alten Testament wurde.

 

Einzelne Psalme lassen sich durch sprachliche Nähe zum Aramäischen der Nordreichtraditionen zuordnen. All die Geschichten um Jakob entstammen dem Norden und waren aus Sicht der Südreichtheologie eher ein Fremdkörper. Und dennoch sind sie in die Überlieferung eingegangen.

 

Dass die Texte der Propheten aus dem Nordreich ebenfalls Eingang fanden, war hingegen einleuchtend, denn der Kern ihrer Botschaft war eine Kritik an den Herrschenden des Nordreiches und ihrer Politik und eben das passte den Auftraggebern der Schriftgelehrten, den Nachfahren Davids, ganz gut ins Konzept.

 

 

 

Kulturell konnte so manches aus dem Nordreich durch die Flüchtlinge überleben.

 

 

 

Was haben wir im Westen aus der ostdeutschen Kultur übernommen?

 

Für heute wollte ich Ostmusik als kulturellen Beitrag haben. Und ich musste merken, dass ich davon eigentlich nichts wusste. Was ich von ostdeutschen Musikern kannte, das waren Nina Hagen, Wolf Biermann und Manfred Krug. Alles Künstler die vor 1989 ausgebürgert oder geflohen waren.

 

 Doch die Lieder, die Maxim für heute vorgeschlagen hat, waren mir alle unbekannt. Mit der Ausnahme: Über 7 Brücken musst du gehen – doch das kannte ich nur in der West-Cover-Version durch Peter Maffay und nicht im Original von Karat.

 

 

 

Die Wiedervereinigung gab es auf dem Papier. Kulturell jedoch haben wir die Chance verpasst, dass da etwas zusammenwächst, was vielleicht zusammengehören hätte können.

 

Wir im Westen haben erwartet, dass da auf der anderen Seite die gleichen Menschen leben wie auf unserer Seite der Mauer. Nur eben unterdrückt vom SED-Regime. Dass auch schon vor der Teilung Deutschlands regionale Unterschiede existierten und in 40 Jahren auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs sich die Kultur weiterentwickelt und auch auseinanderentwickelt hat, das haben wir nicht wahrgenommen oder nicht wahrhaben wollen.

 

 

 

Der Westen hatte halt den Wettstreit gewonnen und die Ossis wollten doch eh vor allem die Früchte des Kapitalismus kosten. Die Wiedervereinigung war de facto ein Annektion. Es gab damals die Möglichkeit einer Vereinigung auf Augenhöhe.

 

Doch mit dem Fall der Mauer, mit der Reisefreiheit und der D-Mark wurden auch die mutigen Menschen, die in Leipzig und anderswo auf die Straße gegangen waren in den Hintergrund gedrängt. Der runde Tisch… irgendwo verschwunden in der Belanglosigkeit. Bündnis 90 hat sich mit den Grünen vereinigt, doch die Doppelbezeichnung Bündnis90/Die Grünen habe ich schon lange nicht mehr gehört.

 

Helmut Kohl hat in seinem Bestreben sich ein Denkmal zu setzen, all das einfach plattgewalzt. Wer hat mit den Alliierten verhandelt über die Wiedervereinigung? Es waren in erster Linie Westdeutsche Politiker.

 

Alles aus dem Osten war Schrott und nur das aus dem Westen war erstrebenswert. Für meine Simson Schwalbe habe ich damals kurz nach der Wende 20 DM gezahlt. Der Vorbesitzer maß diesem Ostprodukt damals nicht mehr Wert bei. War ja Ost-Technik.

 

Der wunderschöne Ikarus des Malers Mike Emig auf einer Hausfassade in Magdeburg wurde mit der Karstadt-Einheitsfassade überdeckt.

 

Wir haben die Verwaltungsbeamten, die wir im Westen loswerden wollten eine Buschzulage gegeben, damit sie den Ossis zeigen konnten, wie so etwas richtig gemacht wird.

 

Wir haben die ostdeutsche Wirtschaft kapitalistischen Heuschrecken zum Fraß vorgeworfen. Die Treuhand, die das auch noch staatlicherseits organisiert hat, war mal gegründet worden, um genau das zu verhindern.

 

 

 

40 Jahre lang haben wir im Westen in der Überzeugung gelebt, die Guten zu sein. Und wir waren wirtschaftlich stärker.

 

Und es gab auch regelrecht Angst vor Dingen aus dem Osten.

 

Als mein Vater in den 90er Jahren Gregor Gisy als Gastprediger in unsere Kirchengemeinde einlud, da hatten ich und meine Schwester Sarah Telefondienst im Pfarrhaus und ich erinnere mich noch gut an diese Telefonate, bei denen die Anrufer ihre Namen meistens verschwiegen. Brandstiftung wurde angedroht und dass unser Hund vergiftet werden sollte, Kommunistenschweine wurden wir genannt und am Tag des Gottesdienstes mit Gisy wurde das gesamte Kirchengelände von Polizisten nach Bomben durchsucht.

 

Dabei hatte Gisy damals nur gemahnt, vielleicht nicht alles aus dem Osten abzutun und die ein oder andere Errungenschaft vielleicht doch wenigstens in Erwägung zu ziehen.

 

Es ist ja nicht so, dass nach dem 9.November das Recht auf Arbeit oder das Recht auf Wohnraum abgelehnt wurde. Nein es wurde nicht einmal als Möglichkeit in Erwägung gezogen. Verträge mit anderen Ländern sollten eigentlich auch nach der Wiedervereinigung Bestand haben, doch die mit Kuba wurden sofort gekündigt. Es ging da um Lieferungen von Milchpulver. Da hatten wir in den 90er Jahren eh eine Überproduktion. Doch wir haben lieber die Überkapazitäten vernichtet als sie nach Kuba zu verschiffen. Dabei hat die Vernichtung mehr gekostet als der Transport in den Karibikstaat.

 

 

 

Wir haben damals die Chance auf eine Wiedervereinigung vertan. Alles was geschehen ist, war, dass der Osten aufgehört hat zu existieren.

 

 

 

Nein, der Osten ist nicht verschwunden. Wir haben ihn nur ignoriert. Und das rächt sich jetzt. Und plötzlich sind wieder Stimmen zu hören, die die DDR zurück wollen. Aus diesen ganzen Frust, der sich aus dieser verlorenen Identität der letzten 35 Jahre entwickelt hat, schöpfen die Demagogen jetzt ab. Die Ignoranz des Westens, und der kurzfristige Rausch des Kapitalismus im Osten haben ein Zusammenwachsen verhindert.

 

Rückblickend würde ich mir wünschen, dass wir uns und einander mehr Zeit gelassen hätten mit einer Wiedervereinigung. Mit mehr Gespür hätten wir Identifikationsstiftendes aus dem Osten in eine gesamtdeutsche Identität aufnehmen müssen.

 

Nicht einmal symbolisches haben wir uns erhalten. Ja, der Palast der Republik auf der Museumsinsel in Berlin war hässlich. Aber er wurde gezielt zur Ruine gemacht, um ihn dann endlich abreißen zu können. Doch es war kein politisches Gebäude sondern ein kulturelles. Und nun ist er weg.

 

 

 

Das einende in Nord und Südreich in Israel war die Religion. Doch 40 Jahre SED hat es geschafft, ein Land fast vollständig vom Glauben zu befreien.

 

Und so haben wir auch als Kirche es nicht geschafft eine gemeinsame Identifikationsstiftende Erzählung zu bieten. Und nach der Wende sind fast alle Gemeindepartnerschaften zwischen ost- und westdeutschen Gemeinden eingeschlafen. Und zumindest in Berlin, wo ich Anfang der 2000 studierte war die Professorenschaft immer noch geteilt in Ost und West und sie standen sich nicht freundschaftlich gegenüber.

 

Die Mauer ist gefallen, aber sie ist nicht verschwunden. Wenn ich nach Berlin fahre, dann ist Helmstedt für mich immer noch ein Moment der mir die Grenze wieder in Erinnerung ruft. Und egal wo ich in Berlin bin, so ist mir stets bewusst, ob ich gerade in Ost oder in Westberlin weile.

 

 

 

Ich habe den Abend geplant mit der Frage, ob wir aus den Erfahrungen eines geteilten Landes aus der Bibel hätten lernen können.

 

Aber ich glaube, dass die Chance auf ein Zusammenwachsen auch vor über zweitausendfünfhundert Jahren nicht richtig genutzt wurde. Und die Jahre der Trennung zwischen Süd und Nord war fünfmal so lang. Und der übriggebliebene Staat Juda hat in großen Teilen denselben Fehler begangen wie wir nach 1989. Das andere System war das Schlechte und wir sind die Guten.

 

Und wir akzeptieren die von der anderen Seite genau in dem Masse, wie sie bereit sind, ihre Traditionen zurückzulassen und bereit sind, die unsrige kritiklos anzunehmen.

 

 

 

Ist es das, was ich als Fazit ziehen muss. Chance vertan. Pech gehabt.

 

Oder können wir noch auf eine andere Art und Weise zusammenwachsen?

 

 

 

Die Hetzer von der AfD werden jede Bemühungen erschweren und das Kind ist schon ziemlich tief in den Brunnen gefallen.

 

Was wir als Möglichkeit jedoch haben ist, die Unterschiedlichkeiten anzuerkennen und mit diesen Unterschieden einen Weg finden.

 

Und sind die Unterschiede zwischen Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern wirklich größer als die zwischen Schleswig Holstein und Bayern?

 

Ist die Mauer in unseren Köpfen vielleicht größer als die tatsächlichen Unterschiede?

 

35 Jahre sind wir offiziell wiedervereinigt. Es liegt auch an uns allen, an Ossis wie Wesssis und an all den anderen, die diesen Unterschied für sich gar nicht mehr so bewusst machen, die Wiedervereinigung zu vollziehen. Zum einen können wir auf die Gemeinsamkeiten schauen und zum anderen können wir endlich beginnen unseren Frieden mit den Unterschiedlichkeiten zu schließen.

 

 

 

Das Volk Israel hat das geschafft in den Zeiten als sie noch als 12 Stämme organisiert waren, die auf Augenhöhe miteinander gemeinsam handeln konnten

 

 

 

Die Aufgabe, die sich uns stellt, wenn wir so etwas wie ein Deutschland einig Vaterland haben wollen, ist auch, die Geschichte der anderen, als ein Teil der gemeinsamen Geschichte zu begreifen. Dass wir im Geschichtsunterricht nicht nur die Westgeschichte unseren Kindern beibringen, sondern auch und gleichberechtigt die Geschichte der DDR.

 

Und wir bräuchten ein Symbol dafür. Aber wir kriegen es ja nicht mal hin das Einheitsdenkmal in Berlin zu errichten.

 

 

 

1990 gab es einen Vorschlag, der in die richtige Richtung gewiesen hätte. Und ich würde das gerne mit ihnen heute ausprobieren.

 

Es gab damals Vorschläge für eine neue deutsche Nationalhymne. Eine neue schlugen einige vor, es gab den Vorschlag die Kinderhymne von Bert Brecht zu nehmen. Und es gab den Vorschlag die beiden Hymnen aus Ost und West zu kombinieren. Den Text von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben gesungen zur Melodie der Becherhymne „Auferstanden aus Ruinen“. Das Versmaß passt.  Und wir hätten etwas gemeinsames, dass sich aus Ost und West speist.

 

Und nicht anders machen wir es im Christentum. Denn auch wir sind gespalten in verschieden Konfessionen. Und die Gräben sind oft noch tief. Und manchmal habe ich das Gefühl, dass mich religiös mehr mit einem liberalen Muslim verbindet als mit einem amerikanischen Evangelistischen. Aber wir haben trotz allem Trennenden gemeinsame Symbole und Texte. Das Vaterunser ist überall gleich. Und wir haben es nach Jahrhunderten der Feindschaft zwischen den Konfessionen größtenteils geschafft, uns als sehr verschiedene Teile eines einzigen Glaubens verstehen zu können.

 

Und auch das Glaubensbekenntnis ist allen Kirchen gemein.

 

Lassen sie uns als Zeichen der Hoffnung auf eine zukünftige Einheit mit allen Unterschieden die gemischte Nationalhymne singen und danach das Glaubensbekenntnis zu sprechen. Vereint in aller Unterschiedlichkeit. Das wäre schon ein großer Schritt voran. Für unsere Religion und auch für unser Land.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus Amen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lesung Andreas Gelbhaar

 

Fast auf den Tag genau vor fünfunddreißig Jahren, am Abend des 6. November 1989, bestieg ich in Erfurt, meiner Heimatstadt, gegen 21 Uhr ein Taxi. Ein Taxi deshalb, weil ich selbst kein eigenes Auto besaß und das Auto meines Freundes, der mit dabei war, kurzfristig ausgefallen war.

 

Erfurt ist von Nienburg ca. 270 Kilometer entfernt. Mit modernen Autos und den relativ gut ausgebauten Autobahnen ein Klacks und lege ich heute diese Strecke zurück, was ich noch sehr häufig tue, benötige ich, je nach Verkehrsaufkommen, ungefähr dreieinhalb Stunden.

 

 

 

Damals, an jenem Abend im November 89, mussten wir allerdings einen Umweg fahren. Der Umweg führte uns von Erfurt/ Thüringen zuerst durch Sachsen, dann weiter in die damalige CSSR. Irgendwo dort, mitten in der Nacht, in einem Waldstück, hielt der Taxifahrer und teilte uns mit, er dürfe nun nicht mehr weiterfahren. Er zeigte in den dunklen Wald hinein, wies in eine Richtung und sagte, dass dort irgendwo Bayern läge.

 

Wir gaben dem Taxifahrer die vereinbarten 1000 DDR-Mark (für DDR-Verhältnisse eine enorme Summe) und liefen los. Gelegentlich drangen durch den dunklen Wald gedämpfte Geräusche an unsere Ohren die uns sagten, dass wir nicht alleine unterwegs waren. Sahen taten wir allerdings nichts.

 

Wir liefen zirka vier Stunden und im Morgengrauen (wir waren jetzt insgesamt neun Stunden unterwegs) rief eine Person: Halt, stehen bleiben. Es war eine Patrouille des Bundesgrenzschutzes und uns wurde mitgeteilt, dass wir nun bundesdeutsches Gebiet betreten. Wir wurden in den nahe gelegenen Ort Schirnding gefahren, polizeidienstlich aufgenommen, d.h., dass wir Name, bisherige Adresse, den Grund der Grenzverletzung nennen mussten, um danach in eine Turnhalle gefahren zu werden.

 

Wir waren in der BRD, im Westen, in der Freiheit.

 

Ironie des Schicksals kann man es wohl nennen, dass drei Tage später die Mauer fiel.

 

 

 

Ich kannte hier, im Westen, niemanden, hatte weder Verwandte, noch Bekannte oder Freunde.

 

Doch was sollte mir schon passieren. Kam ich doch nicht in ein fremdes Land. Wir sprachen eine Sprache, hatten dieselben Wurzeln und die gleiche Geschichte, sah man von den letzten vierzig Jahren einmal ab. Allabendlich flimmerten Bilder dieses uns vertrauten Landes in unsere Wohnzimmer und ein Mal im Jahr, am 17. Juni, sprachen Politiker und Politikerinnen jeglicher Couleur sogar von den Brüdern und Schwestern im Osten.

 

Ja, das Gedenken an die Brüder und Schwestern ging sogar soweit, dass dieser 17. Juni jahrzehntelang ein Feiertag in der Bundesrepublik war. Dass die Menschen in Ostdeutschland, in der „so genannten“ DDR, wie es in der Springerpresse gelegentlich stand, dass diese Menschen also die weitaus größere Bürde des zum Glück verloren gegangenen Krieges trugen, wurde von einigen Politikern hin und wieder auch erwähnt.

 

Vielleicht dachte aber auch der eine oder andere, dass jemand für die unermessliche Schuld, die man auf sich geladen hatte, ja bezahlen muss.

 

Dass dies stellvertretend der überwiegende Teil der 17 Millionen Ostdeutschen nun tun musste, war also Schicksal.

 

Man hatte eben Glück gehabt.

 

 

 

Wir waren willkommen, daran bestand für uns kein Zweifel, im Herbst 89.

 

Auch kann ich nur von Freundlichkeit sprechen, die uns hier, im Landkreis Nienburg, entgegen gebracht wurde. Ich erinnere mich z.B. an eine Episode, als ich in Hoya durch die Lange Straße ging. Unvermittelt kam eine Frau aus ihrer Wohnung auf die Straße gelaufen und drückte mir eine Grünpflanze samt Topf in die Hände. Wahrscheinlich ihre Art, der Freude Ausdruck zu verleihen. Dann verschwand sie ohne ein Wort wieder. Das rührte mich sehr.

 

 

 

Kurze Zeit nach dem Fall der Mauer – wobei „ Fall der Mauer“ dieses historische Ereignis nicht exakt wiedergibt, denn es war ja kein „Naturereignis“, sondern eine angstfreie Kraftanstrengung vieler tausend Menschen Woche für Woche, die die Mauer zum Einsturz brachte und das Regime in die Knie zwang, kurze Zeit später also begannen die Einigungsgespräche zwischen Politikern der BRD und Politikern und Bürgerrechtlern der DDR.

 

Schon diese Gespräche, so berichten dabei Gewesene, zeugten von einer gewissen Arroganz der westlichen Seite.

 

Ich zitiere: …(schon) die Gegenwart etablierter Politiker wie Helmut Kohl definierte die Anwendung von Macht neu (Zitatende).

 

Hier auf der Seite also mit Kohl und Genscher, die Politprofis. Seit Jahrzehnten schon im politischen Geschäft beheimatet und mit jedem Winkelzug vertraut. Dort noch Politiker, die vierzig Jahre in einem diktatorischen Regime sozialisiert und teilweise mitgewirkt hatten und Bürgerrechtler, die jahrelang im Untergrund tätig waren und zum ersten Male überhaupt offizielle politische Gespräche führten.

 

 

 

Im Oktober 1990 die Wiedervereinigung.

 

Der Beitritt der DDR zur BRD erfolgte auf Grundlage des Artikels 23 des Grundgesetzes der BRD. Dieser Artikel besagt, dass das Grundgesetz der BRD in bisheriger Form auf das beizutretende Land anzuwenden sei und übernommen wird. Die schnelle Lösung eben.

 

Ein Beitritt der DDR zur BRD auf Grundlage dieses Artikels 23 war allerdings damals unter Verfassungsrechtlern und auch weiten Teilen der Öffentlichkeit höchst umstritten. Hatte doch die Wiedervereinigung auf Grundlage des Artikels 23 des Grundgesetzes eher den schalen Beigeschmack eines Anschlusses, als einer Vereinigung auf Augenhöhe. Denn es hätte noch einen anderen Weg der Wiedervereinigung gegeben. Dieser Weg wäre über den Artikel 146 des Grundgesetzes erfolgt, der besagt, dass die Völker der BRD und der DDR eine gemeinsame neue Verfassung bekommen. Dieser Weg wäre zweifellos länger gewesen,  hätte aber die einmalige historische Chance geboten, die Erfahrungen beider deutscher Staaten und deren Menschen bei der Gestaltung mit einzubeziehen.

 

Als Beispiel sei hier nur einmal das Recht auf Wohnraum zu nennen, welches im Grundgesetz fehlt.

 

Auch war von ostdeutscher Seite eine neue, gemeinsame Nationalhymne ins Gespräch gebracht worden. An Bertold Brecht,s „Anmut sparet nicht noch Mühe“ wurde da gedacht.

 

Oft wird das damals kurze Zeitfenster als Argument heran gezogen, weshalb man den schnellen Weg wählen musste. Dazu muss man wissen, dass schon Mitte 1990, also nur wenige Monate nach dem Fall der Mauer, Bürgerrechtsbewegungen der DDR einen Verfassungsentwurf für eine neue Verfassung in der Frankfurter Paulskirche vorstellten. Der allerdings keine Beachtung mehr fand. Das Grundgesetz der alten Bundesrepublik hatte sich über vierzig Jahre bewährt, warum sollte es also geändert werden. Doch um die Unversehrtheit des privaten Wohnraumes zu gewähren, wie es in diesem Grundgesetz steht, muss man eben erst einmal ein verbrieftes Recht auf Wohnraum haben!

 

Die Wahrheit ist aber auch, dass die meisten Menschen der DDR so schnell wie möglich die Wiedervereinigung wollten. Vierzig Jahre Diktatur und achtundzwanzig Jahre Mauer hatten sie hoffnungslos und ungeduldig gemacht. Wer kann,s ihnen verdenken!

 

Nichtsdestotrotz hätte man durch eine verfassungsgebende Vollversammlung, die über eine neue, gemeinsame Verfassung abgestimmt hätte, ein Narrativ an den Anfang eines gemeinsamen Zusammenlebens setzen können, das sinn- und identitätsstiftend gewesen wäre. Selbst wenn nicht viele Veränderungen gegenüber dem Grundgesetz stattgefunden hätten, so wäre es zweifelsfrei ein starkes Symbol der Gleichberechtigung gewesen.

 

 

 

So waren denn auch der Freudentaumel, die Umarmungen, die Tränen und das Feuerwerk grenzenlos, als am 3. Oktober 1990 die Wiedervereinigung stattfand.

 

Nun sollte zusammenwachsen, was zusammen gehört!

 

 

 

Die ersten Irritationen auf beiden Seiten wurden noch als Wachstumsschmerzen abgetan.

 

Die Menschen im Osten hatten nicht bedacht, dass derjenige, der das Geld gibt, auch die Regeln bestimmt.

 

Die Menschen im Westen waren sich über die enormen Kosten dieser Wiedervereinigung nicht ganz im Klaren und verlangten, wenn das schon alles so teuer wird, gefälligst etwas mehr Dankbarkeit von den Ossis. Die nun wieder weigerten sich, hatten sie doch vierzig Jahre lang die Zeche bezahlen müssen.

 

Unverständnis auf beiden Seiten.

 

Hier die schnell endende Goldgräberstimmung, wo noch die größten Schrottautos im Osten ihre Abnehmer fanden oder wo die eine oder andere Oma ihr Haus in bester Innenstadtlage für oftmals wenig mehr als 10.000 D-Mark verkaufte.

 

Dort die Enttäuschung und das Entlarven des Geredes von den Brüdern und Schwestern als leere Worthülse.

 

Schnell waren diese Brüder und Schwestern nun diese komischen Vögel aus dem Osten. Nuschelten völlig unverständliches Zeug, hatten schreckliche Dialekte, gebrauchten Begriffe wie Broiler, Kollektiv, Matrjoschka, die man hier noch nie gehört hatte und konnten noch nicht einmal die Uhrzeit korrekt ansagen. Wann sollte das denn sein: Viertel neun oder dreiviertel elf? 

 

Die Wessis wiederum waren schnell entlarvt als Schaumschläger, Möchtegerne, Angeber, die noch nicht einmal ihre geleasten Autos selber reparieren konnten.

 

Beleidigungen wurden ausgesprochen.

 

Es war nun von Dunkeldeutschland die Rede, wenn man über die neuen Bundesländer sprach und gingen Beamte aus dem Westen in den Osten, um den dortigen Angestellten und Beamten auf die Beine zu helfen (oder sollte man sagen: Beine zu machen, denn die ostdeutschen Kollegen galten als faul), gingen also diese Beamten in den Osten, dann sprach man von Buschzulage, für die nicht geringen Prämien, die es dafür gab. Hier war von den Jammerossis die Rede, dort von den Besserwessis.

 

Die eine wie die andere Seite war enttäuscht und zog sich in die Schmollecke zurück.

 

 

 

Für mich bedeutete diese Zeit damals: Ich wollte dazu gehören, hier im Westen. Ich verbog und verleugnete mich. Schnell legte ich meine Kleidung ab, die wohl unmodern schien. Als ich hier, in Hoya, einmal weiße Turnschuhe kaufen wollte und diese nicht im Angebot waren, sagte mir der Verkäufer, dass man hier keine weißen Turnschuhe mehr trage. Mir wildfremde Menschen äfften in meinem Beisein meinen Dialekt nach, was ihnen natürlich nicht gelang, war es doch mehr eine Mischung aus sächsisch und kauderwelsch. Denn für die meisten bestand der Osten nur aus Sachsen, das kannte man noch irgendwie.

 

Das größte Kompliment, das man mir und vielen anderen damals machen konnte: Ach, du kommst aus dem Osten? Das merkt man ja gar nicht!

 

Dann hatte man es geschafft.

 

 

 

Was ich im Kleinen, im Privaten erfuhr, erfuhren die Menschen im Osten im großen Stil.

 

Quasi über Nacht änderte sich für sie alles. Ganze Arbeitsbiografien brachen weg oder wurden in Zweifel gezogen, Abschlüsse galten nichts mehr oder wurden belächelt, Studiengänge wurden gestrichen, Professoren, bestand auch nur der geringste Verdacht einer Stasimitarbeit und manchmal war es nur ein Gerücht, wurden ausgetauscht. Schulen wurden umbenannt, Denkmäler abgerissen. Straßennamen und Namen von Plätzen wurden im großen Stile geändert. Als Beispiel sei hier die Hermann Jahn-Straße in Erfurt genannt. Hermann Jahn, Kommunist und Widerstandskämpfer gegen die Nazis und im KZ Buchenwald interniert, schon 1946 gestorben und somit außer jedem Verdacht stehend, eine Stasivergangenheit zu haben, denn die gab es da noch nicht, war kurze Zeit vor seinem Tod Oberbürgermeister von Erfurt. Noch 1990 wurde die Hermann Jahn-Straße von der dann CDU-geführten Stadtverwaltung umbenannt und die öffentliche Erinnerung an ihn somit getilgt. 

 

Es war also klar: Der Westen ist die Norm, der Osten die Abweichung.

 

Und noch etwas wurde deutlich: So schnell wuchs hier nichts zusammen und schmerzfrei ging dieses Zusammenwachsen auch nicht vonstatten. Es bildete sich ein ständig juckendes Narbengewebe.

 

 

 

Dann trat die Treuhandanstalt auf den Plan.

 

Eine gesamte, ehemals Planwirtschaft, musste nun in die Marktwirtschaft überführt und mit den Gesetzes des Kapitalismus vertraut gemacht werden.

 

Ein bis dahin einmaliges und natürlich schwieriges Unterfangen.

 

Um die Rolle der Treuhandanstalt in vollsten Umfang zu beleuchten, würde dieser Abend nicht ausreichen.

 

Deshalb nur kurz: Das bei der Überführung einer kompletten Wirtschaft, noch dazu einer systemfremden, Fehler, infolge von mangelnder Erfahrung passieren, ist allzu verständlich.

 

Doch nicht immer waren es eben Fehler, sondern es sind Absicht und Vorsatz zu erkennen.

 

Im Februar 1990, also nur drei Monate nach dem Mauerfall, schlug die DDR-Oppositionsgruppe „Demokratie Jetzt“ die Bildung einer Treuhandanstalt zur Wahrung der Arbeitsrechte der Bürger der DDR vor. Dies sah zum Beispiel vor, dass Anteilsscheine an den noch volkseigenen Betrieben, eine so genannte Coupon-Privatisierung, an die Bürger ausgegeben werden. Im Einigungsvertrag wurde daraus dann nur noch eine KANN-Bestimmung, die letztendlich nicht durchgeführt wurde.

 

Im Juli 1990 entschied die damalige Bundesregierung, die Führung der Treuhandanstalt auszutauschen und mit marktwirtschaftlich erfahrenen (westdeutschen) Personen zu besetzen.

 

Detlev Karsten Rohwedder, bis dahin Vorstandsvorsitzender der Hösch AG, wurde Vorsitzender des Verwaltungsrates, Präsident wurde Reiner Maria Gohlke, vorher Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bundesbahn.

 

Fanden sich keine Käufer oder Interessenten für die Betriebe, Liegenschaften, Maschinen usw. wurde schnell und im großen Stile abgewickelt, wie es damals hieß.

 

85% der Betriebe wurden von Westdeutschen gekauft.

 

Dass da nicht immer nach wirtschaftlichen Aspekten, sondern eben auch aus Konkurrenzgründen entschieden wurde, liegt auf der Hand und ist in entsprechender Literatur belegt.

 

Wer setzt sich als Platzhirsch schon gerne eine Laus ins eigene Fell!

 

Natürlich gingen die Filetstücke wie Carl Zeiß-Jena oder das größte ostdeutsche Stahlwerk Eisenhüttenstadt gut weg.

 

Als Negativbeispiel sei hier das Kaliwerk Bischofferode genannt. Wenige Monate nach dem Verkauf durch die Treuhand an die westdeutsche Kali und Salz AG, wurde das Werk abgewickelt und 700 Bergleute verloren ihre Arbeitsplätze. Im kollektiven Gedächtnis ist der darauf folgende wochenlange Hungerstreik der Bergleute geblieben.

 

Angeblich waren die Lagerstätten damals nicht mehr erschließbar und die Schließung der Stollen unumgänglich.

 

2015 allerdings wurden dieselben Stollen zum Kauf angeboten und der zugrunde liegende Geheimvertrag zwischen Treuhandanstalt und der Kali und Salz AG war 2014 publik geworden.

 

Selbst Detlev Karsten Rohwedder sagte schon im März 1991 in einem Interview:

 

Die Treuhandanstalt ihrerseits ist hilflos gegenüber diesem Tornado an Kritik und der Vielzahl der Vorwürfe, die überwiegend berechtigt sind. (Ende Zitat)

 

Mindestens genauso verheerend wie die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Menschen, immerhin hatten in den 90ziger Jahren 80% der Familien im Osten Erfahrungen mit Langzeitarbeitslosigkeit, mindestens genauso verheerend war allerdings der psychologische Kollateralschaden auf die Seelen der Ostdeutschen.

 

Besagte doch das großflächige Zerschlagen der Industriebetriebe, der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, ja, selbst der betriebseigenen Kindergärten und Ferienlager, dass das alles nicht viel taugt, dass das weg muss, dass eure Lebensleistung in die Tonne gehört.

 

Jetzt kommen wir. Lasst uns mal ran. Wir zeigen mal, wie es richtig geht und geben euch gerne Nachhilfeunterricht, da könnt ihr viel lernen.

 

 

 

Natürlich kam, wie zum Beispiel der Kindergärten, das Argument der politischen Einflussnahme des DDR-Staates, was wohl – so hatte der Wessi es in der Bild-Zeitung gelesen und mussten nicht alle DDR-Kinder mit Spielzeugpanzern spielen? -, aller Orten und in jedem Kindergarten stattgefunden habe.

 

Etwas mehr Differenzierung hätte auch da gut getan und wäre dem Zusammenwachsen förderlich gewesen.

 

Noch eine aktuelle Zahl zum Nachdenken: Bei rund 20 % Anteil an der Gesamtbevölkerung  Deutschlands nehmen aber, und das nach 33 Jahren Wiedervereinigung ( also Stand 2023), nur 12 % Ostdeutsche leitende Spitzenpositionen ein, in der Justiz sind es gar nur erschreckende 2 %.

 

Den Ostdeutschen fehlen einfach der Stallgeruch, die Netzwerke, oft auch das Geld und die Erbfolge. Denn es wird eben nicht nur Vermögen vererbt und von Vermögensaufbau und dessen Vererbung konnte in der DDR natürlich keine Rede sein, mussten doch von der DDR horrende Reparationszahlungen an die siegreiche Sowjetunion gezahlt werden. Hier fielen also die Wirtschaftswunderjahre aus. Es werden eben auch Stallgeruch, Beziehungen, Netzwerke vererbt.

 

Vielleicht fehlen den Ostdeutschen aber auch ein wenig die Ellenbogen.

 

Eine gesellschaftliche Teilhabe sieht anders aus und Angela Merkel dient hier nur als Ausnahme!

 

 

 

Erschreckendes Zeichen dieses Ausgegrenztseins, waren in den neunziger Jahren die so genannten Baseballschläger-Jahre. Die Bilder von Hoyerswerda und Rostock gingen um die Welt und manifestierten das Bild vom tumben, aggressiven und intoleranten Ossi.

 

Ohnmachtsgefühl, Fremdenfeindlichkeit, das Oberlehrerhafte vieler Politiker und „Experten“, dass Alles bildete eine gefährliche Melange.

 

Wir sehen es auch heute wieder. 

 

 

 

Ein Bild aus jenen Jahren, das sich mir und tausenden Ostdeutschen eingeprägte und sprachlos, auch wütend machte, war aber auch ein anderes.

 

Am 10. November 1994 hielt Stefan Heym zur Eröffnung des 13. Bundestages eine Rede.

 

Stefan Heym, Jahrgang 1913, Verfolgter während der Naziherrschaft, emigriert in die USA, als Mitglied der Richie Boys, dieser legendären Einheit der US-Streitkräfte, 1944 an der  Landung in der Normandie beteiligt und somit einer von vielen Befreiern Deutschlands.

 

Stefan Heym, Schriftsteller von Weltrang, Ehrendoktor in Bern und Cambridge, Preisträger des Heinrich-Mann-Preises 1953, Nationalpreisträger der DDR 1959, Bambipreisträger 1975, 1982,1990, Jerusalem-Preis 1993, später, im Jahre 2000, noch eine Friedensmedaille.  

 

Stefan Heym, auch in der DDR in Ungnade gefallen wegen seiner regimekritischen Texte und schon deshalb für uns eine Ikone des Widerstandes.

 

Stefan Heym, seit 1953 wieder in der DDR lebend, niemals den Mund haltend, sich immer einmischend, in den USA als Kommunist denunziert, in der DDR Publikationsverbot, aber immer im Geiste aufrecht.

 

Dieser 81 jährige, gebeugte, alte Stefan Heym steht am 10. November 1994 am Rednerpult des Bundestages. Er steht dort als Parteiloser, ist aber über ein Direktmandat für die PDS, der, wenn man so will, Nachfolgepartei der SED in den Bundestag gewählt worden. Wir dürfen davon ausgehen, dass diese Wahl demokratisch war.

 

Stefan Heym steht nun dort vorne, vor den Delegierten, weil er der älteste und somit Alterspräsident ist, bis ein regulärer Präsident eben gewählt wird.

 

Soweit der parlamentarische Usus. Parlamentarischer Brauch ist es auch, dass sich alle Abgeordneten beim Eintreten des Alterspräsidenten aus Respekt erheben und nach dessen Rede applaudieren.

 

Bei Stefan Heyms Eintreten aber bleiben demonstrativ einige Abgeordnete sitzen und die gesamten Abgeordneten der CDU/CSU, inklusive Helmut Kohl und Dietrich Genschers, verweigern den Applaus und grinsen hämisch auf der Regierungsbank und tuscheln. Einzig Rita Süssmuth scherte aus der Reihe und klatschte. Auch wurde Heyms Rede entgegen der Gepflogenheit zunächst nicht in der offiziellen Mitteilung des Bundestages abgedruckt. Dies wurde erst später nachgeholt. 

 

Für mich übrigens eine der besten und prophetischsten Reden die im Bundestag je gehalten wurden.

 

Noch Stunden vor Heyms Auftritt als Alterspräsident wurden Stasigerüchte über ihn in die Welt gesetzt, um ihn und seine Rede zu verhindern. Diese Gerüchte stellten sich allerdings als völlig haltlos heraus!

 

Mangelndes Demokratieverständnis und Selbstherrlichkeit gingen hier Hand in Hand bei einigen Herren.

 

Viele Ostdeutsche wurden aber mit dem zur Schau stellen dieser Arroganz vor den Kopf gestoßen.

 

Häme, Besserwisserei, Kleinreden, Ignoranz, dass kannten sie ja auch aus ihrem Alltag.

 

Dirk Oschmann, Professor aus Leipzig, hat mit dem Titel seines 2023 erschienen Buches recht „Der Osten, eine westdeutsche Erfindung“.

 

Er schreibt: Seit 1990 macht der deutsche Osten die Erfahrung, von der Gestaltung unserer Demokratie ausgeschlossen zu sein. Es gibt zwar formale, aber nur wenig reelle Chancen auf Teilhabe, Einstieg oder gar Aufstieg in gesellschaftlich relevante Teilsysteme, von Macht, Geld und Einfluss ganz zu schweigen. (Ende des Zitates)

 

Bis 1989 gab es für die Bürger der DDR den Westen nur als Himmelsrichtung und Verheißung. 1990 erst wurde der Osten und das typisch ostdeutsche vom Westen erfunden und proklamiert.

 

 

 

Stand heute:

 

Ja, es gibt die blühenden Landschaften. Leipzig, Dresden, Erfurt, die Cranachhöfe in Wittenberg und viele andere Städte, Plätze und Landschaften sind Beispiel genug und ohne die Hilfe des so genannten Westens wäre dies nicht oder nicht so schnell möglich gewesen. Die Wiedervereinigung war ein Privileg und für mich persönlich ein Glücksfall.

 

 

 

Wahr ist aber auch:

 

Von der inneren Einheit zwischen Ost und West sind wir wieder weiter entfernt als 1989. Die eine Seite versteht die andere nicht und statt einer sich langsam schließenden Wunde, ist ein Ermüdungsbruch entstanden.

 

Über dreißig Jahre wurde den Menschen im Osten eingeredet, dass sie anders, die Abweichung seien, nun leben sie es, teilweise mit einem gewissen Trotz.