Into the great wide Open - Country UND Western

Mit vielen Dank an das prinzenstudio.de für die Gestaltung des Plakates

Make America great again...

Was Trump unter great versteht kann man mit gesundem Menschenverstand beim besten Willen nicht in Einklang mit der biblischen Überlieferung bringen.

Doch der Traum und die Verheißung die unzählige Einwanderer in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten gelockt hat und es noch immer tut, hat Gemeinsamkeiten mit der biblischen Verheißung eines Landes "in dem Milch und Honig fließen.

 

In der amerikanischen Country und Western-Musik ist der Traum von einem Land, das jedem offen steht und er dort sein Glück machen und finden kann, noch aktuell.

 

Erik Regul und Sabine Berkefeld, die uns schon den Marilyn Monroe Gottesdienst mit ihrer Musik bereichert haben, bringen mit einer bunten Auswahl an Country und Western-Liedern diese biblischen Verheißungen und den amerikanischen Traum bis zu unserem Trommelfell.

Mit vielen Dank an das Prinzenstudio.de für Plakatgestaltung und so vieles andere.

 

 

 

 

 

Predigt:

 

Give me your tired, your poor,

 

Your huddled masses yearning to breathe free,

 

The wretched refuse of your teeming shore;

 

Send these, the homeless, tempest-tost to me,

 

I lift my lamp beside the golden door!

 

 

 

Mit diesen Worten begrüßt die Freiheitsstatue vor New York seit nahezu 125 Jahren die Ankommenden.

 

 

 

Gebt mir eure Müden, eure Armen,

 

Eure geknechteten Massen,

 

die frei zu atmen begehren,

 

Die bemitleidenswerten Abgelehnten

 

eurer gedrängten Küsten;

 

Schickt sie mir, die Heimatlosen,

 

vom Sturme Getriebenen,

 

Hoch halt’ ich mein Licht am gold’nen Tore

 

 

 

Tausende von diesen Ankommenden sind im Hafen von Cuxhaven abgefahren, um auf der anderen Seite des Atlantiks von diesen Worten begrüßt zu werden. Mit wenig Gepäck und aber umso größeren Hoffnungen. Dort, in Amerika, sollte es alles anders werden. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in dem das Streben nach Glück eines der Grundrechte der Verfassung ist. Das Land, in dem immer wieder ein Neuanfang möglich ist. Vorbei das wirtschaftliche Elend der Heimat, ein Ende der Verfolgungen im Land der Geburt. Hoch strahlt das Licht am goldenen Tore.

 

 

 

Über 3000 Jahre früher, erging das gleiche Versprechen mit anderen Worten:

 

 

 

Und der HERR sprach: Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen und ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört; ich habe ihre Leiden erkannt.

 

Und ich bin herniedergefahren, daß ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie herausführe aus diesem Lande in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt.

 

 

 

Wenn wir Christen unser Glaubensbekenntnis sprechen, dann steht im Zentrum, dass Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist und für uns gestorben ist. Das ist für uns die entscheidende Heilstat Gottes.

 

 

 

Im Judentum ist es das Herausführen aus Ägypten und das Versprechen des gelobten Landes, darin Milch und Honig fließt.

 

 

 

Und dieses Versprechen hat das Volk Israel zusammengehalten. Keine Wüste, kein Pharao konnte sie aufhalten auf ihrem Weg in dieses Land. Keine räuberische Wüstenvölker, kein Schilfmeer, weder Hunger noch Durst konnte sie hindern, bis sie dieses Land erreicht hatten.

 

Als das Volk Israel 40 Jahre lang im babylonischem Exil gefangen war, hielt die Hoffnung auf das Land in dem Milch und Honig fließt sie aufrecht.

 

19. Jahrhunderte lang, von der Vertreibung durch die Römer bis zur Neugründung Israels 1948 war das Volk verstreut in alle Welt, aber das Versprechen blieb lebendig.

 

 

 

„Nächstes Jahr in Jerusalem“ ist der Abschlusswunsch eines jeden jüdischen Passamahls das außerhalb von Israels gefeiert wird. Das Versprechen wird lebendig gehalten.

 

Es gibt kein Volk auf dieser Erde, das es so lange gibt. Zusammengehalten durch dieses Versprechen. :

 

 Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen und ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört; ich habe ihre Leiden erkannt.

 

Und ich bin herniedergefahren, daß ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie herausführe aus diesem Lande in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt.

 

 

 

In all den Katastrophen die diesem Volk widerfahren ist, hielt dieses Versprechen. Es gibt ein Land wo wir leben können. Ein Platz der irgendwie ein Zuhause ist.

 

Und was ich am spannendsten finde: Nicht einmal die Realität kann diesem Versprechen etwas anhaben.

 

Israel ist das versprochene Land. Auch wenn es umgeben ist von Ländern die ihm nicht wohlgesonnen sind. Trotz knapper Wasserressourcen. Obwohl in kurzen Abständen Menschen durch Terroranschläge sterben und jeder Schulausflug von einem Bewaffneten begleitet wird. Und dem vorläufigen Höhepunkt des Terrors gegen Israel im vergangenen Oktober.

 

 

 

Und…  obwohl das Volk der Palästinenser unterdrückt wird und die Bezeichnung Völkermord für die momentane Lage außerhalb Deutschlands immer öfter verwendet wird: Es ist das versprochene Land… Oder wenigstens ist es das Land in dem sich das Versprechen Gottes an das Volk Israels erfüllen wird. Und die Erinnerung an dieses Versprechen wird wachgehalten.

 

 

 

I got the ramblin' fever, said good-bye to maw and paw;
Crossed that old Red River this is what I saw.
I saw miles and miles of Texas, all the stars up in the sky;

 

 

 

Das Versprechen der Freiheitsstatue ist in ein kollektives Gedächtnis eingegangen. Im Kino, in der Literatur und in der Musik ist das Versprechen präsent. Mal deutlicher, mal mehr im Hintergrund.

 

Hier, in diesem Land ist es möglich das Elend hinter sich zu lassen. Neu anzufangen und sein verbrieftes Recht in Anspruch zu nehmen, nach dem Glück zu streben.

 

Und zwar immer wieder. In den Lieder die die Sabine und Erik heute abend spielen zeigt sich dies immer wieder: In einer anderen Poesie als der biblischen geschrieben, aber voll von der gleichen Sehnsucht: I saw miles and miles of Texas, all the stars up in the sky. Hier sind es die Sterne, dort Milch und Honig. Jahrzehnte lang hat sich das Versprechen, das die Einwanderer gelockt hat,  lebendiggehalten in der Countrymusik der HonkyTonks. Und auch das trotz aller Realität.

 

Ein Punkt unterscheidet die biblische Sehnsucht von der Sehnsucht der Countrysongs: In der Countrymusik ist das gelobte Land unabhängig vom Ort. Jederzeit kann man aufbrechen und das Alte hinter sich lassen. Hello Hopeville, i hope they treat you well. Die Sehnsucht richtet sich auf einen Ort, der nicht der Ort ist, an dem kein Weiterkommen mehr ist. Texas, Hopeville, Jackson… die Namen der Orte in den Songs sind austauschbar. Was diese Orte verbindet ist allein die Sehnsucht und Hoffnung, dass sie für einen zum gelobten Land werden kann.

 

 

 

Ich habe in den letzten Wochen viel Countrymusik gehört. Bis dahin konnte ich mit der Musikrichtung wenig anfangen. Ich habe mich gefragt, warum mich diese Musik anspricht. Und eigentlich habe ich die Antwort schon gegeben: Es ist die Verheißung auf die ständige Möglichkeit des Neuanfangs. Das Versprechen, dass es irgendwo ein gelobtes Land gibt. Das muss weder in Amerika noch in Israel sein, aber bitte irgendwo. All die Fernsehsendungen übers Auswandern singen das gleiche Lied der Hoffnung auf ein gelobtes Land.

 

 

 

Und wir als Christen? Wir haben das gelobte Land auf dieser Welt aufgegeben. Die Hoffnung, die wir in den Kirchen verkündigen, ist die Hoffnung auf ein Paradies jenseits dieser Welt. Am Ende der Zeit erst oder nach unserem Tod, da sind sich die Theologen nicht einig, aber ganz sicher nicht in dieser Welt. Schade – möchte ich fast sagen. Gut protestantisch müsste ich allerdings sagen: Wir können nicht einem gelobten Land oder einem Utopia hinterherrennen, sondern müssen das Beste aus dem Land machen, das wir haben und unsere Hoffnung auf Gottes Reich setzen. Ist ja auch alles richtig, aber die Sehnsucht nach  miles and miles of Texas, all the stars up in the sky bleibt doch. Vielleicht bleibt uns nichts anderes übrig, als den Liedern zu lauschen um diese Sehnsucht wenigstens ein bisschen Raum zu geben.

 

 

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen